da, wo man’s nicht erwartet hat“ (Wilhelm Busch)
Wir finden, Kunst-Erfahrung entwickelt sich im heutigen staatlichen und privaten “Kultur-Betrieb” mit seinen wirtschaftlichen Zwängen immer mehr zum “Kultur-Ritual”. Es spielt mit seinen Protagonisten in Museen, in Galerien oder in Sammlungen, Empfangs- und Konferenzräumen und medial in hochwertigen Kultur-Zeitschriften und im Nachtprogramm weniger Fernsehsender. Begrenzte Räume also für Interessierte und Eliten oder Medien, die nur Wenige erreichen. Das kann man so hinnehmen. Oder anderes versuchen:
Warum darf vorhandene Kunst nicht mal “aus dem Häuschen sein”? Das Ziel ist: Kunst erscheinen lassen, für Passanten, zwischendurch im kunstfreien Raum und auf Flächen, die – ohnehin ungenutzt – zahlreich an Straßen und Bahngleisen vorhanden sind.
Gefördert von denen, die sie schaffen, vermitteln oder besitzen und gern offen allen zeigen wollen.-
Offene Bilderrahmen, Blickfänger, Anreiz. An Fassaden neben Straßen und Bahngleisen, auf- und abtauchend, wo niemand damit rechnet. In einer Art und Form, die gewohnte Rahmen sofort sprengt, den offenen Blick des Passanten kurz entgleisen lässt. Die mit der Frage “Was soll das?” zur spontanen Kunsterfahrung wird, frei von Definitionen außer einer:
der überraschend erwartungsfreien Begegnung.
Sie tragen keinen Hinweis auf Sinn und Herkunft, sind höchstens durch den gleichen offenen Rahmen sofort als zusammengehörend erkennbar. Damit kann die Frage nach der Absicht der Verursacher nicht einfach mit der üblichen Produkt- oder Eigenwerbung beantwortet werden, sondern lässt die Motivation offen, provoziert vielleicht Neugier, möglichst aber Staunen.
Erst nach längerer Zeit erfolgt für Neugierige ein kleiner “Link” zum Ursprung, auf diese Homepage.
Die dafür gecasteten Orte sind zwar kunstferne, jedoch gut frequentierte Gebiete, in denen scheinbar mangelnde Attraktivität vor üblicher Werbung schützt, das Erscheinen ihrer Werkzeuge jedoch sofort auffällt.
Wir hoffen, in dieser frei zugänglichen Form können Kunstwerke für Passanten leicht zu ‘mentalen Gebrauchsgegenständen’ werden. Befreit aus den intellektuellen Räumen der Kunst-Präsentation werden sie für gewisse Zeit zur natürlichen Umgebung. Auch ihr Entfernen kann etwas erzeugen: Erleichterung vielleicht, Vermissen oder Sehnsucht – und damit sogar persönlichen Bedarf.
Die Begegnung mit Kunst wird ohne viel Aufwand frei zugänglich, öffentlich sichtbar und gleichzeitig auf ihr privates Ursprungsmoment reduziert: die rein unvoreingenommene Betrachtung, in aller Öffentlichkeit.
Wir glauben (und sehen an der Reaktion nach fast einem Jahr), die Idee spricht für sich. Und sie sagt auch etwas über diejenigen, die sie mit ihren Ideen entwickeln wollen, an heute noch leeren Industrie-Fassaden, an Brücken und Türmen. Man darf träumen, man darf auch: Träume wahr machen…
Nebenwirkungen? Hochgradig ansteckend.
Wir sind die Initiatoren des ersten open frame und hoffentlich weiteren. Es geht uns nicht um Werbungen, Namen oder Geld, sondern um Kunst.